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Wie stark hat KI-Suche die klassische Suche bei der Kundengewinnung schon verdrängt?

von Johannes Zimmer··6 Min. Lesezeit·GEO · Daten

Verdrängt hat sie die klassische Suche noch nicht, jedenfalls nicht in Besucherzahlen. Was sich verschoben hat, ist die Erwartung: In einer YouGov-Befragung unter 509 Unternehmensentscheidern in Deutschland rechnen 55 Prozent damit, dass die Suche über KI-Tools in drei Jahren wichtiger für ihre Kundengewinnung sein wird als die klassische Google-Suche, 54 Prozent sehen die Veränderung bereits heute. Gemessen am Traffic ist der Anteil dagegen noch winzig. Interessant wird es erst, wenn man nicht Besucher zählt, sondern Anfragen.

Kurz gesagt

In Besucherzahlen hat KI-Suche die klassische Suche nicht verdrängt: Aus KI-Antworten kommt rund ein halbes Prozent der Besucher, aus der Google-Suche rund 22 Prozent. Aus diesen wenigen Besuchern entsteht aber mehr als sechsmal so oft eine Anfrage. Verschoben hat sich vor allem die Erwartung, und die Verschiebung misst du nur, wenn du Anfragen nach Quelle auswertest statt Sitzungen.

TL;DR
  • Die Umfrage misst Erwartung, nicht Verdrängung: 55 Prozent sehen den Wechsel in drei Jahren, 28 Prozent widersprechen.
  • Im Traffic liegt KI heute bei rund einem halben Prozent der Besucher, in B2B-Kundenprojekten einer Agentur gemessen.
  • Aus diesen Besuchern entstehen überproportional viele Anfragen, mehr als sechsmal so oft wie aus der Google-Suche.
  • Große Unternehmen rechnen fester mit dem Wandel als kleine, am skeptischsten sind die Inhaber.
  • Auf Nutzerseite ist die Verschiebung weiter: Die Hälfte der Internetnutzenden in Deutschland greift zumindest manchmal zum KI-Chat statt zur Suchmaschine.

Was die Umfrage misst und was nicht

Die Zahlen stammen aus Online-Interviews mit 509 Unternehmensentscheidern zwischen dem 16. und 24. Juli 2026, quotiert erhoben und gewichtet, durchgeführt von YouGov im Auftrag der Münchner Online-Marketing-Agentur Seokratie. Abgefragt wurde eine Einschätzung, kein Umsatz und kein Kanalanteil. Wer aus „55 Prozent“ liest, dass KI-Suche heute die Hälfte der Neukunden bringt, liest die Studie falsch.

Belastbar ist trotzdem etwas anderes daran: Die Befragten beschreiben ihr eigenes Verhalten. 55 Prozent recherchieren beruflich mindestens mehrmals pro Woche per KI-Tool nach Produkten oder Dienstleistern, 23 Prozent täglich oder fast täglich, nur 14 Prozent nie. Im B2B sitzt auf der anderen Seite des Kaufprozesses also jemand, der selbst längst fragt statt sucht.

Wo die Verschiebung heute messbar ist

Die aussagekräftigsten Zahlen der Veröffentlichung sind nicht die Umfragewerte, sondern die Traffic-Daten aus den B2B-Kundenprojekten von Seokratie. Sie sind nicht repräsentativ, sie zeigen aber ein Muster, das sich auf der eigenen Website nachprüfen lässt.

KanalAnteil der Website-BesucherDavon stellt eine Anfrage
Klassische Google-Sucherund 22 Prozentrund 1,5 Prozent
KI-Antworten (ChatGPT & Co.)rund 0,5 Prozentrund 10 Prozent, also jeder zehnte

Durchschnittswerte aus B2B-Kundenprojekten, veröffentlicht am 17. September 2026. Anfrage heißt: Formular, E-Mail oder Anruf. Ein Besuch aus einer KI-Antwort ist damit mehr als sechsmal so viel wert wie ein Besuch aus der Google-Suche.

Das erklärt, warum zwei Menschen dieselbe Lage völlig verschieden beurteilen. Wer nur den Besucheranteil betrachtet, winkt ab. Wer die Anfragen nach Quelle aufschlüsselt, sieht einen der effizientesten Kanäle im Haus.

Auf der Nachfrageseite ist die Verschiebung weiter fortgeschritten als im Traffic. Laut einer telefonischen Bitkom-Befragung von 1.156 Personen ab 16 Jahren (Berlin, November 2025) nutzt die Hälfte der Internetnutzenden zumindest manchmal den KI-Chat statt der klassischen Suche, 7 Prozent überwiegend, 5 Prozent ausschließlich. Bei den 16- bis 29-Jährigen setzen nur noch 30 Prozent ausschließlich auf Suchmaschinen. Die Recherche wandert also schneller als der Klick, weil viele KI-Antworten gar keinen Klick mehr erzeugen.

Warum Großunternehmen fester damit rechnen als KMU

Die Erwartung hängt stark an der Unternehmensgröße. In Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten gehen 64 Prozent davon aus, dass KI-Suche in drei Jahren wichtiger sein wird als Google, in Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten 43 Prozent. Am skeptischsten sind Eigentümer, Inhaber und Partner: Nur 36 Prozent stimmen zu, 41 Prozent widersprechen, während unter angestellten Führungskräften rund 60 Prozent zustimmen. Und 27 Prozent der Inhaber recherchieren nie per KI-Tool, doppelt so viele wie im Schnitt.

Dazu passt eine frühere Auswertung derselben Befragung, veröffentlicht am 29. Juli 2026: 58 Prozent erwarten, dass Unternehmen ohne Präsenz in KI-Antworten Kunden verlieren, aber nur 20 Prozent wissen, was Generative Engine Optimization bedeutet, also die gezielte Arbeit daran, in KI-Antworten zitiert zu werden. Unter den kleinen Unternehmen halten sich 33 Prozent für gut vorbereitet, unter den großen 52 Prozent.

Für kleine Anbieter ist das eher Chance als Bedrohung. In einer Trefferliste gibt es Platz zwei bis zehn, in einer KI-Antwort gibt es, wie Seokratie-Gründer Julian Dziki es formuliert, oft keinen Platz zwei. Wer eine Frage sauber beantwortet, steht dort neben deutlich größeren Marken. Was eine Seite dafür mitbringen muss, haben wir in GEO erklärt zusammengefasst.

Was du in den nächsten vier Wochen tun kannst

  1. KI-Traffic getrennt ausweisen. Lege in deiner Web-Analyse ein Segment für Herkünfte wie chatgpt.com, perplexity.ai oder copilot.microsoft.com an. Wie du das mit der direkten Messung von Erwähnungen kombinierst, steht bei uns unter Referral-Traffic aus KI-Quellen.
  2. Anfragen statt Besucher bewerten. Rechne pro Kanal die Anfragequote, nicht den Sitzungsanteil. Erst diese Zahl zeigt, ob ein kleiner Traffic-Anteil Rauschen ist oder dein bester Kanal.
  3. Die zwanzig echten Fragen sammeln. Nicht Keywords, sondern ganze Fragen, wie Kundinnen und Kunden sie tippen: „Was kostet eine Individualsoftware für ein 50-Personen-Unternehmen?“ Quellen sind Vertriebsmails, Support-Tickets, Foren. Genau diese Fragen sammelt unser Scouting aus acht Quellen, darunter Google- und Brave-Suchanfragen, Reddit, gutefrage, LinkedIn, X und YouTube. Im Free-Plan ist eine einmalige Fragen-Recherche enthalten, das wöchentlich laufende Scouting gehört zu den bezahlten Plänen.
  4. Die Lücken schließen. Prüfe für jede Frage, ob deine Website sie vollständig beantwortet, und schreibe die fehlende Antwort als eigenen Abschnitt: direkte Antwort zuerst, danach Einsatzgebiete, technische Daten, gegebenenfalls Preise. Unser Antwort-Check macht das automatisch und nennt die Fundstelle bis auf den Abschnitt, bei Teilantworten steht dabei, was fehlt.

Wer das erst einmal ausprobieren will: Der Free-Plan kostet 0 €, umfasst 1 Projekt, 50 URLs über alle Projekte, 1 kostenlosen Artikel und eine einmalige Fragen-Recherche, ohne Kreditkarte.

Häufige Fragen

Ist klassisches SEO damit erledigt?

+

Nein. In derselben Befragung stimmen 71 Prozent zu, dass SEO auch im KI-Zeitalter wichtig für ihre Sichtbarkeit bleibt, der höchste Zustimmungswert der ganzen Erhebung. Einfache Suchanfragen laufen weiter über Google. GEO ergänzt SEO, es ersetzt es nicht.

Gilt das für jede Branche gleich?

+

Nein. Je komplexer und erklärungsbedürftiger das Produkt, desto eher recherchieren Interessenten mit KI-Systemen, etwa bei Individualsoftware, Industriemaschinen oder IT-Dienstleistern. Die Frage ist nicht entweder oder, sondern wo deine Kundschaft künftig sucht.

Wie belastbar ist eine Umfrage mit 509 Befragten?

+

Für eine Entscheiderbefragung ist das eine übliche Größenordnung. Die Stichprobe wurde quotiert und gewichtet, repräsentativ nach Unternehmensgröße, Geschlecht, Alter, sechs NACE-Wirtschaftszweigen und Nielsen-Regionen. Sie misst Meinungen von Entscheider*innen in Deutschland, keine Marktanteile.

Warum sehe ich in Google Analytics so wenig KI-Traffic?

+

Weil viele KI-Antworten ohne Klick enden. Die Nennung deiner Marke in einer Antwort taucht in keiner Web-Analyse auf, sie wirkt trotzdem. Deshalb brauchst du neben dem Referral-Traffic eine zweite Messung: Wie oft wirst du in den Antworten auf deine Kernfragen genannt oder zitiert?

Wie schnell muss ich reagieren?

+

Die Umfrage nennt einen Horizont von drei Jahren, deine Inhalte brauchen aber Vorlauf, bis sie von KI-Systemen gelesen und zitiert werden. Mit den wichtigsten zwanzig Fragen anzufangen ist sinnvoller, als auf eine Kanalverschiebung in der eigenen Statistik zu warten.

Johannes Zimmer
Johannes Zimmer ist Gründer von flize (sitebrunch GmbH) und hilft Unternehmen und Agenturen, in KI-Antworten sichtbar zu werden.
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